STRANDRECHT

Oper nach Ethel Smyth (orig. „The Wreckers“)

TEASER hier

Premiere: 06.12.2019

weitere Vorstellungen:

06.12.2019 um 20.15 Uhr, im Anschluss eröffnet Dr. Cornelia Bartsch ein Publikumsgespräch

07.12.2019 um 20.15 Uhr

08.12.2019 um 18.00 Uhr, im Anschluss eröffnet Prof. Kathrin Prick (i.R.) ein Publikumsgespräch

12.12.2019 um 20.15 Uhr

13.12.2019 um 20.15 Uhr

14.12.2019 um 18.00 Uhr, im Anschluss eröffnet Dr. Cornelia Bartsch ein Publikumsgespräch

Tickets und weitere Informationen hier.

TEAM

Künstlerische Projektleitung und Regie /// Kerstin Steeb

Musikalische Leitung und Klavier /// Hanne Franzen

Elektronische Komposition /// Dong Zhou

Ausstattung /// Martina Mahlknecht

Text /// Ivana Sokola

Licht und Technik /// Sönke C. Herm

Dramaturgische Beratung /// Pamela Goroncy

Produktionsleitung /// Stückliesel

Sänger*innen /// Ferdinand Keller / Isabel Reinhard / Lisa Florentine Schmalz / Mathias Tönges

Fotos /// Fabian Sommer

Mit STRANDRECHT von Kerstin Steeb entsteht – zwischen opulentem Musiktheater und performativem Erlebnis – eine Vision zivilen Ungehorsams im Gewand einer feministischen Oper. Aus der Verbindung von Originalmomenten am Flügel, klassischem Gesang, elektronischen Sounds und neuen Textfragmenten entsteht eine zeitgenössische Fassung des bisher verkannten Werks.

»The Wreckers« (dt. „Strandrecht“) ist die bedeutendste Oper der bis heute verkannten Komponistin und Suffragette ETHEL SMYTH und wurde 1906 in Leipzig uraufgeführt. Die Handlung basiert auf Mythen um Piraterie von in Seenot geratenen Schiffen an den Klippen Cornwalls. Eine Frau initiiert den Aufstand „der Ungehorsamen“ indem sie heimlich Feuer als Warnung für die Schiffe legt. Setzen sie sich im Kampf für Menschenrechte zwar für das Leben Anderer ein, verstoßen sie dennoch gegen Recht und Moralvorstellungen der vorherrschenden Gesellschaft – und bezahlen dies am Ende mit ihrem Leben.

Was sind wir heute bereit zu riskieren? Schüler*innen gehen europaweit auf Fridays-for-Future-Demos statt zur Schule, zivile Seenotretter*innen überschreiten auf eigenes Risiko geltendes europäisches Recht. „Die Pflicht zum Ungehorsam“ (Thoreau) ist als kollektive Rebellion gegen herrschende Politik und Ungerechtigkeit mit der jungen Generation wieder zurückgekehrt. Dringend gehört STRANDRECHT auf die Spielpläne der Bühnen. Das rein aus Frauen bestehende Kreativteam wagt den ersten Schritt.

KERSTIN STEEB

Kerstin Steeb schlägt in ihren Arbeiten immer wieder Brücken zwischen den Sparten Oper, Schauspiel und Tanz. Die strenge Form von Oper dekonstruiert sie oft durch eigene Bearbeitungen und Fassungen und deckt damit eine Direktheit im Spiel und eine aktuelle Brisanz in der Thematik auf. Sie inszeniert/e Oper an verschiedenen Häusern (Staatsoper Hamburg, Theater Pforzheim, Theater Hagen, Theater Lüneburg) und experimentierte mit außergewöhnlichen Orten und Formen im Kultursommer am Kanal im Herzogtum Lauenburg so wie über das Thalia Theater und das Kulturagentenprogramm an verschiedenen Schulen Hamburgs. Das Ringen um gendersensibles Verhalten war von Beginn an prägend für ihre Arbeiten und nun stärkt sie diese Thematik mit ihrer ersten Arbeit in der freien Szene, indem sie einer verkannten weiblichen Komponistin über 100 Jahre nach der Uraufführung auf den Spielplan verhilft. Dafür hat Kerstin Steeb ein weibliches Kernteam zusammengestellt, das im Bereich Oper immer noch geradezu ausnahmslos ist und das darüber hinaus Mütter von insgesamt zehn Kindern beschäftigt.

ETHEL SMYTH (1858-1944)

Die Komponistin Ethel Smyth zählt unserer Meinung nach zu den interessantesten Persönlichkeiten ihrer Epoche. „Ethel, die einzige mit Grips“, findet Virgina Woolf. Ihre Musik, ihr politisches Engagement und ihre autobiografischen Texte dokumentieren eine erstaunliche Freiheit im Umgang mit Grenzen und Konventionen. In einer Zeit, als die Geschlechterfrage zu den meistdiskutierten gesellschaftlichen Themen gehörte und Frauen künstlerische Kreativität oft grundsätzlich abgesprochen wurde, verstand sie sich als professionelle Komponistin und trat mit großer Vehemenz insbesondere in Deutschland für ihre eigenen Werke ein. Zwei Jahre ihres Lebens widmete sie sich als Suffragette der englischen Frauenwahlrechtsbewegung, für die sie ins Gefängnis musste und nur durch Hungerstreik wieder frei kam. Ihr Ouevre ist allerdings seit jeher unterrepräsentiert und lediglich Spezialist*innen bekannt.

Folgende Zitate aus: „Ein stürmischer Winter – Erinnerungen einer streitbaren englischen Komponistin“, Hrsg. Eva Rieger, Bärenreiter,, Hamburg 1988.

„Die für Frauen wahrscheinlich am schwersten zugängliche Welt ist die der Künste, da es in ihr keine Regeln gibt, nur Chancen, die erhalten oder vorenthalten werden.“ (S.156)

„Wenn man sich nicht in einer bestimmten Clique befindet, muß man die Dinge selbst vorantreiben, damit überhaupt etwas geschieht. Und da ich es leid bin, genau das zu tun, wird aller Wahrscheinlichkeit nach kein einziges dieser Werke je wieder aufgeführt.“ (S.178)

„Doch leider ist (…) die Musikwelt auf Ewiggestrigkeit eingeschworen. So erscheint es nur natürlich, daß bis heute (Anm.: 1919) Dirigenten, Organisten, Chorleiter und ähnliche Menschen Männer sein sollten; allerdings würde ich mich an Ihrer Stelle nicht darauf verlassen, daß es für immer bei diesem Zustand bleibt! Insofern, als die Zahl der Frauen, die Friedensrichter, Landtagsabgeordnete, Bürgermeister und was nicht alles werden, täglich wächst, hoffe ich, sie bald einen wichtigen Part in Musikkomitees, Ausschüssen und anderen Gremien spielen zu sehen, wo sich bislang der rein männliche Geist ungehindert verbreiten konnte – zum Nachteil des Publikums, in dem beide Geschlechter vertreten sind, und zum Nachteil von Künstlerinnen.“ (S.189)

Gefördert von:

Behörde für Kultur und Medien Hamburg

Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Bezirksamt Altona

Mariann Steegmann Foundation

Pianohaus Trübger

Musikschule Hausmusik



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